Webfont-Dienste im Test

Webfont-Dienste: Bei der Textdarstellung mussten Webdesigner lange Zeit neidisch auf die gestalterischen Möglichkeiten der Drucker schauen. Es konnten damals nur Systemschriften wie Verdana, Arial oder Times New Roman benutzt werden, die der Browser zur Darstellung der Internetseite verwendete. Mit der Veröffentlichung von Safari 3.1 und dem Wiedereinführen der @font-face-Regel, die es ermöglichte, Schriftarten auf einem Server zu hinterlegen und so in die Seite zu implementieren, änderte sich das.

Webfont-Dienste

Heutzutage ist es eine Selbstverständlichkeit, Fonts aus fast unerschöpflichen Katalogen bei z.B. Brass Fonts oder Fontshop herunterzuladen. Gegen Zahlung von Lizenzgebühren können sie dann verwendet und in das aktuelle Projekt eingebunden werden.

Die Idee hinter den Webfont-Diensten ist eine andere Möglichkeit. Die Schrift wird dabei vom Server des Webfont-Dienstes geladen und nicht vom eigenen Server. Voraussetzung dafür ist eine durchgängige Erreichbarkeit der Server des Webfont-Anbieters, da sonst möglicherweise nur eine Standard-Schriftart auf der Internetseite angezeigt wird. Ein besonderer Vorteile der Webfont-Dienste ist die riesige Auswahl an verschiedenen Schriften, die im voraus kostenlos getestet und, wenn nötig, dem Kunden präsentiert werden können. Die Webfont-Dienste erkennen den passenden Browser automatisch und somit wird sofort der richtige Code mit den unterstützten Font-Dateien bereitgestellt. Sorgen über die Browser-Unterstützung sind also unbegründet.

Die Flexibilität ist auch wesentlich höher, da bei Webfont-Diensten meistens nur so lange für eine Schrift gezahlt wird, wie sie auch genutzt wird. Der Wechsel zu einer anderen Schrift ist also jederzeit problemlos möglich.

Kostenpflichtige Webfont-Anbieter

Die Auswahl der unterschiedlichen Webfont-Dienste ist sehr groß. Um den Überblick zu behalten, werden nachfolgend vier Dienste detailliert vorgestellt: Die drei größten Dienste fonts.com, Typekit, WebINK, sowie der etwas exklusivere Webfont-Dienst Typotheque.

Typekit

Typekit

Typekit startete 2009 als einer der Ersten und gilt heute als der qualifizierteste unter den Webfont-Anbietern. Er enthält mehr als 700 Schriftfamilien in sehr guter Qualität und bietet die Möglichkeit die Fonts per JavaScript und CSS einzubetten. 2011 wurde Typekit von dem Unternehmen Adobe übernommen, welche die Schriften auch als Teil der neuen sogenannten Creative-Cloud anbieten. Die Bezahlung richtet sich nach den Seitenaufrufen. Es gibt einen kostenlosen Probezugang, der aber u.a. auf eine Webseite, 25.000 Seitenaufrufen/Monat, zwei Schriften und eingeschränktem Zugang zum Katalog eingeschränkt ist. Wenn mehr benötigt wird, betragen die Kosten, je nach Schriften-Paket, zwischen 25$ und 100$ pro Jahr. Bei jedem Paket sind die ersten 30 Tage kostenfrei.

Im Überblick
Internetseite: typekit.com
Umfang + 1000 Webfonts
Preis und Kosten hier…
Einbindung CSS und JavaScript

fonts.com

fonts

Der amerikanische Webfont-Dienst beinhaltet über 1000 Schrift-Familien. Damit ist er der zurzeit größten Schriften-Dienste, und bietet neben der bekannten CSS-Einbettung auch die Möglichkeit JavaScript zu verwenden. Es gibt überwiegend sehr gute Fonts und die Bezahlung richtet sich auch hier nach der Anzahl der Seitenaufrufe. Es gibt eine mit Werbung versehene, kostenlose Test-Version, die auf 3.000 Webfonts und 25.000 Seitenzugriffen begrenzt ist. Die Produktauswahl ist also komplex. Bei fonts.com ist es möglich, das Abonnement sehr genau den eigenen Wünschen anzupassen. Ab 1 Million Seitenaufrufen monatlich bietet der Webfont-Anbieter außerdem den Service eigene Schriften zu hosten.

Im Überblick
Internetseite: fonts.com
Umfang + 1000 Webfonts
Preis und Kosten hier…
Einbindung JavaScript und CSS

Typotheque

Typotheque

Typotheque ist ein niederländischer Webfont-Anbieter und geht besonders mit Blick auf die Bezahlung einen völlig anderen Weg als die bislang vorgestellten Webfont-Dienste. Hier zahlt der Nutzer pro Schrift bzw. Schriftfamilie einen einzigen Betrag, der sich nach Schrift, Nutzeranzahl, Set-Auswahl und der Lizenz richtet. Damit erhält der Käufer ein Nutzungsrecht für die Schrift das lebenslang gilt. Es gibt ca. 51 Font-Familien und somit ist der Dienst lange nicht so umfangreich wie Großteile der Konkurrenz. Es wird jedoch hohe Qualität geboten und die Möglichkeit, gekaufte Fonts auch für den Druck zu nutzen.

Im Überblick
Internetseite: typotheque.com
Umfang + 50 Webfonts
Preis ist abhängig von Schrift, Nutzerzahl, Set-Auswahl und Lizenz
Einbindung CSS

MyFonts

MyFonts

MyFonts ist der einzige Anbieter im Test, der Webfonts vollständig zum Selberhosten anbietet. Es entstehen also keine monatlichen Kosten. Die Webfonts können wie gewöhnliche Schriften erworben und auf der eigenen Website eingesetzt werden. Mit 40.000 Webfonts hat der Webfont-Dienst ein sehr umfangreiches Angebot. Die Kosten für Webfonts variieren von Schrift zu Schrift und richten sich auch nach dem Datenverkehr. Bei kleineren Internetseiten ist man hier mit 40 US-Dollar dabei. Hat man mehr Traffic, muss auch tiefer in die Tasche gegriffen werden. Aus 40 Dollar werden dann schnell über 300 US-Dollar. Die Desktop-Variante der Schrift ist allerdings auch schon mit dabei. Ein nachträgliches Upgrade ist möglich, wenn sich der Datenverkehr der Website erhöht.

Im Überblick
Internetseite: myfonts.com
ca. 40.000 Webfonts, alle zum Selberhosten
Schriften sind für iPhone und iPad geeignet
Einmalige Kosten zwischen 15 und 50 US-Dollar (bei hohem Datenverkehr auch mehrere hundert US-Dollar oder Euro)

Kostenlose Webfont-Anbieter

Neben den kostenpflichtigen Webfont-Anbietern gibt es zudem viele kostenlose Alternativen, von denen hier zwei detailliert vorgestellt werden sollen: Google-Web- Fonts und FontSqurirrel.

Google-Web-Fonts

Google-Web-Fonts

Dieser komplett kostenlose Dienst gehört zu Google und ist darüber hinaus werbefrei. Das liegt daran, da sich hier ausschließlich Schriftarten mit sogenannten Open-Source-Lizenzen finden lassen. So zeigt sich auch schnell das Problem, des mit über 500 Schriftfamilien bestückten Dienstes. Professionelle Schriften sind hier schwer zu finden. Google möchte hier eine Plattform für Schriftentwickler und aufstrebende Talente schaffen und ihnen die Möglichkeit bieten bekannter zu werden. Doch auch hier ist es möglich, qualitativ hochwertige Schriften zu finden. Die Auswahl gestaltet sich bei diesem Dienst als sehr unkompliziert. Die Schriften werden als Embed-Code oder ZIP-Paket angeboten, womit sich der Anbieter Google Web Fonts als risikofreier und idealer Einstieg präsentiert.

Im Überblick
Internetseite: google.com/fonts
Umfang + 690 Webfonts
Preis kostenlos
Einbindung CSS

FontSquirrel

FontSquirrel

Neben Google Web Fonts ist FontSquirrel ein weiterer kostenloser Webfont-Dienst. FontSquirrel bietet dem Anwender über 800 Webfonts, die alle auch beruflich genutzt werden können. Nach Wunsch erhält man sie direkt zum downloaden als @font-face-Bausatz. Die Bedienung ist einfach und unkompliziert wie bei Google Web Fonts und der Webfont-Anbieter wirkt optisch ansprechend. Leider hat auch dieser Anbieter einige Probleme hinsichtlich Qualität und möglicher Plagiate. Es ist also eine gesunde Vorsicht angebracht.

Im Überblick
Internetseite: fontsquirrel.com
Umfang + 800 Webfonts
Preis kostenlos
Einbindung CSS

Fazit

Die Auswahl bei den unterschiedlichen Webfont-Anbietern ist groß. Der eigentliche Markt besteht zwar erst seit gut vier Jahren, doch es ist bereits heute schwierig, sich einen guten Überblick zu verschaffen. Eine wirkliche Aussage über den “besten” Service lässt sich nicht so einfach treffen. Der Nutzer muss seinen persönlichen Anbieter-Favoriten nach den eigenen Interessen und Erfahrungen aussuchen. Die drei größten vorgestellten Anbieter mit ihren kostenfreien Probezugängen und die beiden kostenlosen Webfont-Anbieter laden zum Ausprobieren ein.

Egal ob eine große oder eher exklusivere Auswahl gewünscht ist, das Einbinden der Schriften in die eigene Internetseite ist bei allen Diensten sehr einfach. Die Bezahlung reicht von einfach und etwas starr, bis hin zu komplex aber dafür sehr flexibel. Wer keine hohen Erwartungen an Qualität und Auswahl der Schriften hat, bzw. wenig oder gar kein Geld ausgeben möchte, verwendet die durchaus attraktiven kostenlosen Anbieter. Hier sollten allerdings die vorher beschriebenen Informationen beachtet werden. Wer übrigens bis zu drei Schriften direkt miteinander vergleichen möchte, sollte typetester.org besuchen.

Und was hältst du von Webfonts? Nutzt du sie auch schon und welcher Anbieter ist dein Favorit? Und was vermisst du bei diesen Anbietern?

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Hi, ich bin Mika - WordPress-Enthusiast und Webworker aus Leidenschaft. Ich bin Inhaber der Webdesign Agentur / WordPress Agentur Wolkenhart und freier Dozent an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg.

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